Hayden Tenno, dessen Name so viel wie Kaiser der Heiden bedeutet, ist als Geheimagent in Lasria unterwegs. Unser Antiheld hat nämlich den Regierungsauftrag, die osteuropäische Stadt von einem bösartigen Virus zu befreien. Selbstverständlich jagen wir dabei keinem öden Bakterium, sondern dem Biowaffen-Schurken Mezner hinterher.
Wenn es doch nur so einfach wäre: Alles läuft soweit perfekt, eine Feuersalve nach der anderen jagt die Gegner scharenweise ins Jenseits, aber dann wirds auch für uns eng. Das Haustier Mezners, ein mächtiges Irgendwas - halb Mensch, halb Stahl - setzt uns außer Gefecht. Das Herrchen nutzt die Chance und infiziert uns selber mit dem gefährlichen Virus, macht sich dann aber inklusive Schoßkampfmaschine vom Acker.
Glimpflich abgelaufen? Nicht wirklich: Durch die Infektion werden unsere Freunde zu Feinden, denn schließlich sollen auch die den Virus ausrotten, und auch die Untoten wollen nach wie vor an unsere Eingeweide. Wenigstens ragt absofort ein Mega-Metall-Wurfstern aus unserem Arm, Hauptbestandteil des Spiels.
Mit diesem Glaive bezwingen wir nämlich nicht nur Gegnerhorden, sondern vollführen grazile Kunststücke. In Slow-Motion lenken wir die Klinge über Zäune und um Ecken, elektrifizieren sie an Stromkästen oder frieren sie ein bzw. fackeln sie ab - um dann kleine Rätsel damit zu lösen (ein elektrisches Glaive öffnet Türen, Feuer zündet an, Eis friert ein). Und wie bei einem Bumerang kommt auch unser metallischer Freund immer zu uns zurück - praktisch.
So metzteln wir uns durch die Level, erfahren nur spärlich oder schlecht erzählte Storyhäppchen, und müssen uns den Großteil der Geschichte selber zusammenspinnen. Immerhin bietet Dark Sector sonst atmosphärisch einige gelungene Elemente, ob nun Musikeinsatz oder teilweise sogar das ansonsten mieserable Leveldesign. Dann läuft einem durchaus ein kleiner kalter Schauer über den Rücken, wenn man die blutverschmierten Krankenhausflure durchquert, oder um Mitternacht über den Friedhof schleicht - und mit dem Glaive alles, was nicht bei drei unter der Erde ist, niedermetzelt.
Abgesehen davon, dass diese Klinge bei weitem nicht mehr innovativ - man erinnere sich an „Krull“ -, das Setting ausgelutscht und das Deckungssystem von „Gears of War“ kopiert ist, überzeugt Dark Sector wenigstens für ein paar Stunden. Spätestens, wenn nach einer abwechslungsreichen Stelle wieder die typischen Gegnermassen auf einen zustürmen, und es nur noch um das bloße Metzeln geht, ist der gewonnene Spielspaß wieder dahin. Daher empfehle ich Fans gepflegter und abwechslungsreicher Unterhaltung eher Titel wie „Assassins Creed“ oder eben „Gears of War“.