Gerade erst wurden endlich die ersten Wii Ware-Spiele zum Verkauf angeboten, und der Nintendo-Kanal veröffentlicht, da gibt es schon wieder einen neuen Wii-Kanal: Den Homebrew-Kanal! Endlich ist das System offen für alles und jeden.
Die Installation gestaltet sich etwas kompliziert. Ein gehacktes Zelda-Savegame muss auf die SD-Karte gepackt werden. Dieses muss man passend zur Version der Zelda-Disc aussuchen und an die richtige Stelle kopieren, und außerdem eine Menge Vertrauen in die Programmierer des Hacks aufbringen. Denn dieser Hack schafft etwas, das eineinhalb Jahre nicht möglich war: Er lässt von Nintendo nicht geprüften Code auf der Wii-Konsole laufen, dem alle Funktionen samt Speicher, Internet und Controllern zugänglich sind. Die erste Installation ist etwas unheimlich. Im Text-Modus wird man immer wieder gefragt, ob man sich wirklich traut, das zu installieren. Aber ist die Sache erst einmal geschafft, so findet sich ein schicker neuer Kanal im Menü, der sich perfekt zwischen die offiziellen Kanäle einreiht.
Das ist das verblüffendste an der Sache: Der Wii Homebrew Kanal sieht aus, als wäre er von Nintendo, kann sich direkt über das Internet auf den neuesten Stand bringen, läuft verdammt schnell und wirkt schick. Er soll in Zukunft sogar Nachrichten an die Pinnwand heften, und das Rumble-Feedback funktioniert wie in anderen Kanälen auch. Nächste Überraschung: Während Nintendo selbst es nicht hinbekommt, Programme direkt von der SD-Karte laufen zu lassen, stellt das für die Homebrew-Software kein Problem dar, sondern ist die Norm. Endlich keine Speicherplatz-Probleme mehr!
Software installiert man, indem man sie am PC herunterlädt und in das richtige Verzeichnis auf der SD-Karte kopiert. Dann erscheint sie auch schon im Homebrew-Kanal-Menü. Alternativ kann man einfache Programme auch direkt vom PC über das lokale Netzwerk an die Konsole schicken.
Der Homebrew-Kanal ist natürlich nur das Zugangstor zur wundervollen Welt des Selbsprogrammierten. Natürlich gibt es noch wenig wirklich Neues, aber das Angebot an Portierungen und Emulatoren ist schon jetzt sehr groß. Fast alle Virtual Console Systeme werden emuliert, außerdem MAME, die Game Boys und mehr. Eine Quake-Version gibt es, außerdem OpenTyrian, und am besten funktioniert ScummVM, mit dem man jetzt alle alten Lucas Arts Adventures endlich auch auf der Wii spielen kann. Monkey Island musste ich sowieso noch nachholen, und mit der Wiimote macht das doppelt Spaß.
Bleibt zu hoffen, dass Nintendo dieses Wii-Addon tolerieren wird. Die Autoren sprechen sich ausdrücklich gegen Raubkopien von Wii-Software aus, diese fuktionieren auch angeblich überhaupt nicht mit dem Homebrew-Channel. Somit müsste er doch eigentlich harmonisch mit dem Rest der Wii Software koexistieren können. Kommt mit Wii Ware und dem Homebrew-Kanal jetzt die nächste Welle der Wii-Revolution, die uns aus dem Sumpf der Billigspiele befreit? Das bleibt jedenfalls zu hoffen.
- Die offizielle Seite des Homebrew-Kanals