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Nicht immer objektiv, aber immer ehrlich

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Getunnelt

Von Jan-Philipp Buck

Da ist er wieder, dieser typische U-Bahn-Geruch. Genau beschreiben fällt schwer, es riecht nach Tunnel, nach Gleisbett und nach Menschen. Es müsste diesen Duft als Parfum geben, für alle U-Bahn-Narren, die von ihm nicht genug bekommen können. Am Flacon schnuppernd wird dann World of Subways eingelegt – die perfekte Freizeitbeschäftigung?

World of Subways ist ein Spiel, das man nur in den Extremen beurteilen kann. Entweder es gefällt einem, oder eben nicht. Denn obwohl die Grafik optisch etwas hermacht, das Thema verfärbt sie nicht. Es geht um das Fahren einer U-Bahn.

Testbericht für Nicht-U-Bahn-Fans
Für eine Simulation ist World of Subways grafisch top. Eine Kaufempfehlung spreche ich den Nicht-U-Bahn-Fans allerdings nicht aus, denn es geht rund um die Uhr in diesem Spiel um den Schichtbetrieb als U-Bahn-Fahrer, der sein Leben im Führerstand führt.

Testbericht für U-Bahn-Fans
Auch New York ist untertunnelt. Die unterirdischen Gleise des Big Apple lassen sich mit einem von drei Zugvariationen befahren, die sich, wenn man sie aufgrund der Optik unterscheiden wollte, auf zwei reduzieren ließen. Im Tunnel selber haben sich die Entwickler Mühe gegeben, für Abwechslung zu sorgen. Zwar sind die Tunnelbausteine schnell erkannt und es fällt die Wiederholung auf, aber wir befinden uns nun einmal in einem Tunnel – und da ist alle fünfzig Meter an der rechten Tunnelwand ein Stromkasten notwendig. Aufgepeppt wird die Kulisse durch kleine Schmankerl wie Funkenflug und blitzende Kurzschlüsse an den Schienen.

Neben den unterirdischen Strecken gibt es auch einen Großteil überirdischer Passagen. Wie bei Vergleichstiteln wie dem Train Simulator sind die Level fürs Dranvorbeifahren geeignet, laden aber nicht zu einer Rast und als Langzeitkost ein. Anders hingegen die Stationen und der Innenraum des Zuges. Beides können wir frei erkunden und den statischen Passagieren einmal guten Tag sagen. Haltestellenfetischisten erleben mehrstündige Glücksgefühle, pflichtbewusste Zugführer zieht es schnell wieder Richtung Führerstand.
Kritik an der heilen amerikanischen Welt? Jedenfalls hören sich Zugdurchsagen, die wir per Zifferntaste auslösen, stark alkoholisiert an. Die Haltestellennamen lallen wir mehr ins Mikro, und der Warnhinweis von den Türen zurückzutreten kommt auch sehr beschwipst daher. Egal, Türen zu (die sich übrigens separat öffnen und schließen lassen – linke und rechte Seite) und Gas gegeben.

Ein ganz großer Pluspunkt ist der übrige Sound: Für Simulator-Spieler ungeahnte Klangqualitäten offenbaren sich beim Fahren. Ob nun das Quietschen in den Kurven, das Aufblitzen von Spannung oder die Soundkulisse im Außengelände. Eine Abwechslung, die man im Hauptspiel vermisst, denn: Missionen gibt es in World of Subways keine. Jedenfalls konnte ich keine entdecken. Es heißt simpel: Rein in den Zug, losfahren, Schicht zu Ende bringen.
Wer diesen Schichtbetrieb entspannend findet, oder ein großer U-Bahn-Fan ist, der wird mit World of Subways seinen zweiten Frühling erleben. Für knappe 30 Euro ein günstiges Glücksgefühl.

Seiten: 1
World of Subways Vol. 1
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