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Auf in die Boxengasse

Von Robert Lilge

Es gibt Rennspiele und es gibt Rennspiele. Die einen sind eher für Zwischendurch gedacht, betonen das Arcade-Feeling, und Realismus ist - wenn überhaupt - nur Nebensache. Und dann gibt es die extrem anspruchsvollen Simulationen, bei denen euch jeder Patzer ins Kiesbett oder die Bande befördert. Bumms aus, Ende Gelände. Doch das weiß der Rennfan, und genau das liebt er auch: Die Detailtiefe von eben diesen Rennsimulationen.
Die Latte hängt hoch, über die das schwedische Entwicklerteam SimBin springen muss. Bereits mit der GTR-Reihe haben sie bewiesen, dass sie aus dem PC das Rennfeeling rauskitzeln können. Ob es ihnen auch bei der X-Box 360 mit dem Titel Race Pro gelungen ist?

Wie ich diesem Spiel entgegengefiebert habe. Und dann diese guten Vorab-Urteile der Kollegen, der Release von Race Pro sollte für mich zur Erfüllung meiner Rennspielträume werden. Der Tag war da, und ich glücklich wie ein Honigkuchenpferd im Rennanzug. Da ist es einem egal, wie langweilig das Startmenü auch aussehen mag, Hauptsache ich kann mich darin navigieren. Karrieremodus, check. Meisterschaft, check. Zeitangriff, was für ein Name, aber gut: Check. Replay-Theater, dazu später mehr, und daher erstmal check. Multiplayer, check, aber lasst mich hier einhaken: Denn es frustriert einfach nur, bei Race Pro den Multiplayer zu starten. Nicht, weil ich andauernd von den Gegnern besiegt werde, sondern weil die Verbindung so unglaublich oft abbricht, dass man keine Lust mehr hat zu fahren - nach fünf Versuchen, von denen vier fehlschlugen, hatte ich es aufgegeben.
Immerhin, wenn ich denn den Multiplayer unterbrechungsfrei hätte spielen können, dürfte ich mich auch dort über die reichtliche Auswahl an Rennboliden erfreuen. Wie im Singleplayer darf Rennserie und Fahrzeug auswählen, und dann über eine der vielen Strecken düsen. Über eine der vielen Strecken düsen. Strecken - düsen. Düsen! Gleich bin ich durch die Menüs, einen Moment noch. Schwierigkeitsgrad und Fahrhilfen erneut einstellen, denn die Einstellungen merkt sich das Spiel nicht - was bei detaillierten Einstellungen natürlich frustrierende Verzögerungen verursacht. Jetzt noch das Wetter für das gesamte Rennen diktieren (ein dynamisches Wettersystem gibt es nicht), und den Ladebildschirm mit Tipps zur Strecke abwarten. Dann darf aber auch wirklich losgedüst werden - endlich. Aber schließlich ist Race Pro auch kein Arcade-Spiel (außer vielleicht beim Wettersystem)...

Ohren auf, Race Pro gönnt euch einen hervorragenden Motorsound, und das schon vor dem Start. Nahezu jedes Auto hat seinen eigenen Sound, einfach fabelhaft für Spieler mit Benzin im Blut. Die können ihr Vehikel nach herzenslust tunen und einstellen, um schon vor dem Start die Nase vorn zu haben. Sind alle Lampen auf grün geht es stürmisch los, die KI ist nicht zimperlich und schubst euch auch mal, wenn ihr zu langsam fahrt. Das Leben ist eben kein Zuckerschlecken, also Augen zu und durch, im echten Rennsport gehts eben auch so rabiat zur Sache. Glaube ich. Oder? Hm...
Und so ziehe ich meine Bahnen, immer begleitet von einer hilfreichen Kurvenanzeige, die mir einen passenden Gang empfiehlt. Hat man den Bogen erst raus, kann man die Schikanen auch in meist höheren Gängen befahren, und die Kurvenanzeige abschalten. Sollte euer Rennbolide mal nicht so wie ihr wollen und in einem Hinderniss landen, kriegt er die passenden Dellen ab. Optisch ist das Schadensmodell überzeugend, renntechnisch könnt ihr aber nicht in Erfahrung bringen, was nun genau beschädigt wurde, und wie sich dies auf euer restliches Rennen auswirken könnte. Lediglich ein Reparatur-Symbol erscheint, also ab in die Box.
Nicht nur im Spiel muss es euer Ziel sein, als erster alle Runden zu absolvieren, und das so schnell wie möglich. Auch nach dem Rennen solltet ihr flinke Finger haben, zumindest wenn ihr mit einem Lenkrad spielt: Denn sobald ihr die Zielgerade überquert habt, übernimmt die KI euer Steuer, und verreißt es erstmal gnadenlos. Nichtsahnend hatte ich natürlich meine Hände an meinem Lenkrad, das dann munter rotierte und mir beinahe blaue Flecken an den Daumen bescherte.

Mit einem blauen Auge scheine ich jedenfalls als Käufer davongekommen zu sein. Race Pro kann noch etwas werden, jedoch braucht es dafür einfach einen Patch - an dem SimBin laut eigenen Angaben auch schon fleißig arbeitet. Bis es soweit ist, kann ich nur feststellen, dass ich mehr von dem Spiel erwartet habe. Ein bißchen mehr Perfektionismus hätte ihm sicherlich gut getan.

Seiten: 1
RACE Pro
USKohne Altersbeschränkung Preis59,95 € (bei Amazon kaufen) PublisherAtari EntwicklerSimBin Studios AB

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