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Krieg der Welten

Von Sebastian Srb

Tom Cruise hat mich genervt. Ja richtig genervt. Mit seinem rumgegrinse und dem „ach so heruntergekommenem Vater“-Gespiele. Damit hat er den ganzen Film zerschoßen. Krieg der Welten, um genau zu sein. Die Neuauflage von Steven Spielberg. Mit der kreischend, zickigen und unausstehlichen Dakota Fanning, und eben der Grinsekatze Tom Cruise. Die Tricks waren Klasse. Und Teile der Geschichte waren richtig gut. Aber darum gehts hier eigentlich nicht.

Viel eher hat mich der Film mit seiner Thematik auf eine recht interessante Spielidee gebracht. Wie sich das umsetzen ließe, weiß ich gar nicht, aber zumindest wäre die Idee meine Bewerbung für die Mediadesign Hochschule und den dortigen Gamedesign Studiengang gewesen. Also in schriftlicher Form natürlich. Dort war ich nämlich bei einer Vorstellung des Studiums. Mit teilweise beeindruckenden Ergebnissen der Abschlusssemester. Aber darum soll es ja hier auch nicht gehen.

Meine Idee also: Wie gesagt, die Thematik des Films hat mich fasziniert. Aliens, die ohne richtige Vorwarnung auftauchen und die Menschheit ausrotten wollen. Gut, in einem Satz betrachtet ist das jetzt nicht wahnsinnig einfallsreich. Aber immerhin war das einmal das Original von Orsen Wells. Was mir sehr an Spielbergs herangehensweise gefallen hat war, dass er hier nicht die Obersten zeigt, wie sie in Independence Day-Manier alles was sie haben auf die Aliens hauen, sondern eben aus der Sicht der drei Hauptcharaktere, wie sie sich durchkämpfen. Ohne Waffen. Gegen diese übermächtig aussehenden Tripoden.
Das wäre mein Spiel. Der Spieler bekommt diese Szenerie eingeführt, in welcher Weise auch immer, und dann heißt es: Überleben! Nichts weiter. Kein "Töte die Aliens!" - kein "Suche die Waffenbasis, rüste dich mit allem aus was du in die Finger kriegst und dann rette unseren Arsch!" - kein entdecken, dass die Hauptperson, oder die biestige Göre, in Wirklichkeit auch ein Verwandter der Aliens ist und die jetzt mit viel Funkensprühen schlagen kann. Keine weitere Angabe. Nur überlebe! Und das um jeden Preis! Musst du dazu vielleicht verrückt gewordene Mitmenschen töten? Möglich, ist aber kein Muss. Beschütze zumindest erstmal dich. Vielleicht taucht im Laufe des Weiterkommens auch so ein Mädchen auf, die es gelten könnte mitzunehmen und zu beschützen. Du musst es nicht. Lass' sie weinend zurück und schon bald verstummen die Schreie. Oder schnapp sie dir und nimm vielleicht dafür in Kauf, dass sich die Aliens schon bald dich vornehmen werden. Oder sie machen es auch nicht.

So beginnt es. Am Anfang siehst du den ersten Tripoden vor dir aus dem Boden stampfen und sofort beginnt er alles in der Umgebung zu Asche zu verwandeln. Also lauf! Oder verstecke dich und hoffe, dass er dich nicht erwischt. Nimm das Auto. Oder ein Schiff. Oder - Hau einfach ab. Erstmal. Überlebst du, wirst du immer erfahrener im Umgang mit den Aliens. Wo sehen sie dich, wo nicht? Gibt es Schwachstellen? Langsam aber sicher kann man sehen, dass ihnen etwas nicht bekommt. Was es ist, musst du herausfinden. Und gegen sie einsetzen. Nicht um die Menschheit zu retten, sondern nur dich.

Und was wenn du erwischt wirst? Das wird zwangsläufig vorkommen. Vielleicht hast du Glück und wirst nicht sofort in Staub verwandelt, sondern erstmal in einen Käfig mit anderen gesteckt. Da kann man mit Sicherheit auch wieder raus. Möglicherweise aber auch nicht. Oder du hast Pech. Wirst sofort von einem vernichtenden Strahl getroffen. Was dann? Dann bist du tot. Dann gibt es kein zurück mehr. Kein Savegame hilft dir dabei. Kein Power-Up oder Medipack. Nichts. Du bist dann Staub. Sieh es ein!
Aber deswegen ist das Spiel nicht vorbei. Der Spieler bekommt eine weitere Chance. War man mit dem vorherigen Charakter einigermaßen anständig und hat mal jemandem geholfen oder ihn einfach näher kennengelernt, dann darf/muss man diese Person übernehmen und kann weiter überleben. Nur dein altes Ego ist weg.
Und es geht weiter. Nicht am Anfang, vielleicht an einer ganz anderen Stelle, schließlich hat der neue Charakter ja auch schon eine Flucht hinter sich. Stellt euch die Bewegungsfreiheit von GTA: San Andreas mit einer noch größeren Karte vor. Da gibt es auch große Städte mit vielen verwinkelten Straßen, in denen man guten Unterschlupf findet. Allerdings lockt die große Menschenanzahl in der Stadt auch deutlich mehr Aliens an, als auf dem Land. Dort ist wiederum die Gefahr groß entdeckt zu werden. Schwierig. Aber interessant.
Wohin soll die Reise eigentlich genau gehen?
Wer weiß das schon, vielleicht von Nord nach Süd, weil dir jemand gesagt hat es gäbe dort eine Army Basis. Oder aber ab in die Nähe des Meeres, um auf ein Schiff zu kommen und zu versuchen ganz weit wegzukommen. Essen und trinken sollte man natürlich auch nicht vergessen. Allerdings darf das natürlich nicht ausarten, das ist sollte eher nebenher laufen. Findet man was zu essen, dann heißt es futtern und Reserven sammeln. Gibt es dafür dann längere Zeit nichts, stirbt man nicht sofort davon. Genauso sollten die Speicherpunkte aufgebaut sein. Hart, aber fair. Man sollte nicht immer speichern können. Erst wenn der Charakter einigermaßen sicher untergebracht ist. Vielleicht in einer Höhle oder einem verlassenen Haus. Im Keller oder sonst wo, nur darf kein Alien in der Nähe sein.

Es geht so lange, bis man irgendwann vielleicht doch etwas findet und die Aliens besiegen kann. Eine Schwachstelle. Die Schwachstelle. Und man hat überlebt. Dann ist es vorbei und man darf wieder zurück. Zurück in die alte Gegend, wo alles angefangen hat. Wo die Verstorbenen betrauert werden und man vielleicht sogar alte Bekannte sieht. Menschen, denen man vielleicht nicht geholfen hat und die trotzdem überlebt haben. Keine besonders schöne Vorstellung.

Ein Spiel das dem Spieler überlässt ist, wie er überlebt. Es gibt nur die Zutaten. Wie man durchkommt, ist jedes Mal anders. Ein bisschen nachdenken und beobachten. Das sollte reichen. Man muss ganz allein zum Ende kommen, wie auch immer das passiert. Keine Cut-Scene sollte etwas erklären oder zeigen. Niemand sollte einem sagen, wer der Böse ist. Das kann man schon selbst entscheiden. Hilft man anderen oder nicht. Ist man ein richtiges Arsch, schnappt sich eine Waffe und tötet alle, die einem in die Quere kommen. Und ist irgendwann alleine. Oder hilft man anderen, schließt mit ihnen vielleicht sogar ganze Freundschaften und bekommt dann selbst Hilfe, wenn die Aliens angreifen.

Hm, vielleicht sogar eine interessante Idee für ein Massive-Multiplayerspiel? Egal. Jedenfalls wäre es mal was schön anderes. Diesmal schlüpft man nicht in die Haut des Helden, der mit übermenschlichen Kräften alles gewinnt. Diesmal wäre es genau anders herum, man ist nicht der Held. Man ist einer unter vielen und muss genauso die Hilflosigkeit erfahren, einem zu starken Gegner gegenüber zu stehen. Bis man sie besiegt. Und ich glaube, danach wäre ich glücklich.

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