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Es wird Winter

Von Jan-Philipp Buck

Schon häufig wurde der Spieler durch Kriegsszenarien gehetzt: Zerstöre den Bunker A, vergieße dabei möglichst viel Blut, und komme dann zu Kontrollpunk B, wo du – wie sollte es anders sein – noch mehr Leichen hinterlassen wirst. Im ersten Spiel mag so etwas noch Spaß bringen; das zweite toppt vielleicht auch noch die Grafik und hält so die Motivation hoch. Doch spätestens in Actiontitel Nummer drei scheint die Story ausgelutscht; häufig greift man dann als Fan von Actionspielen notgedrungen zum nächstbesten Titel, der einem in die Finger kommt. Das könnte ein GTA oder ein Far Cry sein – oder „Undercover: Operation Wintersonne“.

„Es ist 1943“, beginnt die Storyerklärung in der Pressemappe. „Auf den Schlachtfeldern Europas...“ – och ne, nicht schon wieder ein Kriegsspiel. Da erhofft man sich gerade einmal eine Kur für den schon zitternden Zeigefinger, der bisher immer nur den Abzug der Pistole – pardon, die linke Taste der Maus – bedient hat, und dann so etwas. „...toben erbitterte Kämpfe. Doch der Krieg findet auch im Verborgenen statt...“, klingt dann schon besser. Diese drei zitierten Sätze beschreiben passend die Absicht des Spiels: Einerseits ein spannendes Szenario sich aussuchen, andererseits es aber nicht in das gewohnte Genre einbauen. Was dabei rauskommt? Ein Adventure mit besonderem Setting.

John Russell hat einen Doktortitel, ist Physiker und war bis zum 8. Januar 1943 häufiger in seinem Arbeitszimmer, als auf der Straße anzutreffen. Doch das hat sich geändert: Im Auftrag des britischen Geheimdienstes MI6 sammelt er im Dritten Reich geheime Informationen über die Entwicklung einer bedrohlichen Massenvernichtungswaffe. Dr. Russell war mindestens genauso überrascht über diese gefährliche Mission, wie die Story bisher langweilig klingt. Klar, was erwartet man von einem Professor, der auf Jagd nach geheimen Akten, sprich Papier, geht: Zückt er plötzlich in Lara Croft Manier zwei Pistolen? Oder manövriert er eine Einheit gut ausgebildeter britischer Soldaten durch den Matsch des heißumkämpften Kriegsgebietes? Wahrscheinlich sitzt er eh nur im Wagen und observiert ein Gebäude, bis er unauffällig mir nichts dir nichts eindringen kann und binnen zwei Minuten alle notwendigen Akten in Händen hält.

Beinahe stimmt das auch: Natürlich ist die Spieldauer bei weitem länger als zwei Minuten, selbst Experten dürften gut und gerne 17 Stunden rumtüfteln. Dennoch geht es meistens eher unblutig zu; und genau das macht schließlich den Reiz eines Adventures aus. Lieber suche ich zehn Minuten nach einer Möglichkeit die Wachen ohne Gewalteinsatz zu vetreiben, als einfach kopflos mit einer großkallibirgen Waffe draufzuhalten; haben meine grauen Zellen gute Arbeit geleistet, so binde ich einfach einen Gummischlauch an eine Metallstange und schleudere Steine in Richtung der Soldaten – schon sind sie irritiert, hören die in der Nähe aufprallende „Geschosse“ und begeben sich sofort auf die Suche nach dem Schelm, der sie „bombadiert“ hat; der Weg ist frei.

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Undercover - Operation Wintersonne
USKFreigegeben ab 12 Jahren Preis12,45 € (bei Amazon kaufen) PublisherDTP EntwicklerSproing