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Von Tim Othold

Die atomverwüstete Welt von Fallout erschien zum ersten Mal vor 20 Jahren mit Wasteland auf dem PC. Zehn Jahre später durfte der Spieler dann in den großartigen ersten beiden Teilen von Fallout post-nukleare Geschichte schreiben. Und nachdem Interplay seine Halbwertszeit leider überschritten hatte, machten sich die Entwickler von Bethesda daran, die Klassiker neu aufzulegen.
Aber hatten sie Erfolg?

Fallout 3

Atomkrieg. Nukleare Verwüstung. 20 Grad. Die Frisur sitzt.

Das Setting von Fallout 3 ist einfach beschrieben: Das Amerika der 1950er, nach dem Atomkrieg. In der alternativen Zeitlinie stoppt die Entwicklung der Menschheit in den Petticoat-tragenden 50ern und verbleibt so bis 2077, als der nukleare Holocaust die gesamte Welt verwüstet. 200 Jahre später nimmt man dazu die Vorstellungen der damaligen Zeit, wie eine post-apokalyptische Welt wohl aussieht und nennt das Ganze dann Fallout.
Neben einem zerstörten American Diner steht eine Stadt aus Schrott und alten Flugzeugteilen, marode Wolkenkratzerruinen zeichnen sich gegen den Himmel ab, vereinzelte wagemutige Händler und Gangs von Plünderern durchstreifen zu Fuß die öde Atomwüste. Das Trinkwasser leuchtet im Dunkeln. Ein mutierter, vier Meter langer Riesenskorpion rammt einem den Stachel in den Leib.

Fallout 3

Der beste Weg einen Streit zu gewinnen ist es der Lauteste zu sein.

Die Spielwelt von Fallout 3 ist, abgesehen etwa von einem verschlossenen Bunker, komplett frei begehbar. Zumindest wenn man die Reise überlebt. Und da Bethesda schon mit Morrowind und Oblivion solche extrem große, freie Welten üben konnte, ist das Wasteland rund um die Ruinen von Washington D.C. sehr schön anzuschauen und zu erkunden. Die verkohlten Ruinen eines Super-Duper-Megastore-Marktes, eine zusammengebrochene Highway-Brücke oder die Überreste der Nuka-Cola-Fabrik haben alle ihren eigenen Charme. Besonders die, natürlich ebenso verwüsteten, realen Sehenswürdigkeiten, wie das Weiße Haus, das Washington Monument oder das Jefferson Memorial, sind gut umgesetzt. Leider gibt es mindestens ebensoviele Einzelheiten, die genau die Illusion dieser Welt stören. Dass im Jahre 2277 überhaupt noch Computer und Roboter von vor über 200 Jahren funktionieren ist hinzunehmen, aber woher kommen noch essbare Tiefkühl-Steaks? Wieso stehen noch Überreste eines zweistöckigen Holzhauses, wenn direkt daneben Stahlbeton-Bauten vor sich hin krümeln? Und warum zum Teufel werden verbrannte, nicht zu entziffernde Bücher aufbewahrt? Mit solchen Störfaktoren muss man sich bei Fallout 3 abfinden – leider sind das nicht alle Probleme des Spiels.

Fallout 3

Und so sieht der Verlierer des Streits aus.

Fallout 3 lässt sich aus 1st sowie 3rd-person-Perspektive spielen, wobei die Ansicht aus der dritten Person aber eher als Gimmick zur Betrachtung des eigenen Charakters daherkommt. Kampf, Inventarbenutzung und so ziemlich alle anderen Funktionen sind wesentlich flüssiger und angenehmer in der ersten Person zu erledigen. Dem Crossover aus RPG und FPS passt sich natürlich auch der Kampf an. Das alte Rundensystem aus Fallout 1 und 2 ist einem, aus Shootern bekannten, Echtzeit-Kampf gewichen. Schaden und in gewisser Weise auch die Wahrscheinlichkeit das Gegenüber mit Munition aller Art zu penetrieren hängt aber nach wie vor von RPG-typisch gesteigerten Werten ab. Der Spieler kann allerdings das V.A.T.S. (Vault-Tec Assisted Targeting System) aktivieren. Hier gibt man dem eigenen Charakter Anweisungen auf spezielle Körperteile zu schießen, die dann in einer Art Bullet Time ausgeführt werden. Mit diesem zweigeteilten Kampfsystem bietet Fallout 3 zwei Varianten von denen keine wirklich gut ist. Im Echtzeitmodus ist das Zielen und Treffen der Gegner nicht unbedingt einfach, mit V.A.T.S hingegen zu simpel, da automatisch. Und wo einen Supermutanten in Echtzeit 50 Kugeln vom entfernten Ableben trennen, sind es in V.A.T.S. gerade mal zehn. Ein besser ausbalancierter Mittelweg wäre hier schön gewesen. Positiv ist aber, dass das absolut grauenhafte Level-Scaling aus Oblivion wieder abgeschafft wurde. Es warten nicht mehr überall die selben öden Gegner, sondern in der Basis der Talon-Söldner stehen von Anfang an waffenstrotzende Talon-Söldner und die Ratte vom Spielbeginn bleibt für immer eine Ratte.

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Fallout 3
USKKeine Jugendfreigabe Preis37,40 € (bei Amazon kaufen) PublisherUbisoft EntwicklerBethesda Softworks

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