Daddelfieber.de

[Druckversion]

Nicht immer objektiv, aber immer ehrlich

Suche

Karl Stolz is back

Von Jan-Philipp Buck

Noch nie hat ein Spiel so frustrierend begonnen, wie ÜberSoldier 2: Auf ein einigermaßen gut inszeniertes Mini-Intro nehmen wir direkt an einem MG auf der Ladefläche eines Jeeps Platz und ballern was das Zeug hält: Uns, den armen Karl Stolz, verfolgen böse Nazi-Schergen. Unsere Kumpanin manövriert das Geländefahrzeug zielsicher in die Gegnerhorden, fährt sich panisch im Matsch fest und serviert uns mehr als einmal auf dem Silbertablett.
An sich ist das nicht schlimm, schließlich will ich als Spieler ein wenig Nervenkitzel. Doch abgesehen davon, dass wir unendlich Munition haben und unser Geschütz auch beim Dauerfeuer nicht überhitzt, sind die Trefferzonen so mau, dass man sich die Haare einzeln ausreißen möchte: Die Verfolgen können wir anscheinend nur in bestimmten Augenblicken ins Jenseits befördern. So bringt es rein gar nichts auf einen Jeep zu ballern, der ein paar Sekunden später per gescriptetem Event schräg einen Hang hochfährt und sich überschlägt. Vorher darf der Wagen nicht abgeschossen werden, sonst wäre das schöne Event ja dahin...

Nach einer schier endlosen, weil langweiligen, Verfolgungsjagd – in deren Mitte wir ein paar Feinde umlegen und ein Tor öffnen müssen - donnert die weibliche Fahrerin zielsicher in eine Gebäudewand. Bumm, wir sehen nur noch weiß und wachen erst ein paar Augenblicke später wieder auf. Mitten im Zentrum des Feindes müssen wir uns einen Weg bahnen, strecken Gegner um Gegner nieder. Türen gehen nur dann auf, wenn wir auch durch sie durch müssen – man merkt, dass man sich durch Gegnerwellen ballert: Kaum ist der Raum gesäubert, öffnet sich eine vorher verschlossene Tür und man hört Soldaten erstaunt etwas wie „Oh, da ist ja ein Gegner“ rufen und einem entgegenrennen.
Ihr merkt schon, ÜberSoldier 2 ist kein Spiel für mich. Die Grafik ist zwar nicht von hinter dem Mond, aber eben auch nicht up-to-date: In der Landschaft finden sich Ecken und Kanten, Texturen sind teilweise von niedriger Qualität und überhaupt ist das Leveldesign in manchen Abschnitten einfallslos. Es gibt zwar auch Highlights, wenn man während der Verfolgungsjagd durch ein Abflussrohr fährt und in den Kurven die Wände rechts und links hochfährt – aber leider sind die selten.

Zielen? ÜberSchwierig, wenn ihr mir den Wortwitz gestattet. Trefferzonen sind anscheinend komplett willkürlich gesetzt: Zielt ihr mit Zielfernrohr auf den Kopf eines Gegners – der wirklich still steht – und drückt ab, trefft ihr mal korrekt, ab und an aber auch irgendwas anderes. Dann bückt sich der Gegner kurz vor Schmerz, steht aber wieder auf. Ganze zwei Mal muss man in dem Fall die Prozedur wiederholen. Das kostet Nerven und ist Qual, Folter, aber kein Spielspaß!
Kurz zur Story, die bei ÜberSoldier 2 sich dezent im Hintergrund hält: 2. Weltkrieg, ein böser Deutscher – Ernst Scheffer – forscht, wie man Tote wieder als Kampfmaschinen ins Diesseits befördert, und will damit den Krieg pro Nazi-Deutschland entscheiden. Wir, als Karl Stolz, sind ein Wiederstandskämpfer; und leisten Wiederstand.
Die Ballereinlagen werden durch anspruchslose Rätsel aufgelockert: Eine Tür ist verschlossen, oho, was machen wir? Wir suchen einen Schlüssel. Den gibt es dann ein, zwei, maximal drei Türen und ein Stockwerk entfernt in einem Schlüsselkasten. Lässt sich die Tür dann immer noch nicht öffnen, handelt es sich entweder um eine der magischen Gegnerwellen-Türen (die sich erst öffnen, wenn ihr alle Gegner im Raum gekillt habt), oder die Linearität des Spiels verwehrt euch den Eintritt.

Ich werde ÜberSoldier 2 noch ein wenig weiterspielen. Ab und zu, wenn ich mal keinen Nerv mehr auf Story habe, sondern einfach mich sinnfrei von Raum zu Raum kämpfen will. Für mehr taugt der Ego-Shooter aber auch leider nicht. So sehr verderben die Schwächen die seltenen lichten Momente des Spiels. Schade.

Seiten: 1
ÜberSoldier 2
USKKeine Jugendfreigabe Preis19,90 € (bei Amazon kaufen) PublisherDTP EntwicklerBurut